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Druckversion vom 28.06.2010
URL: http://www.gesundheitstipps.wicker-kliniken.de/naturarzt/hypertonie.html
Schätzungsweise 15 bis 20 Millionen Deutsche haben einen zu hohen Blutdruck. Etwa jeder Zweite über 65 Jahre alte Mensch ist betroffen. Statistischen Erhebungen zufolge ist nur bei 60 % aller Menschen mit Bluthochdruck dieser auch bekannt. 40 % wissen hingegen nichts davon. Von den Menschen, bei denen er bekannt ist, wird nur etwa die Hälfte behandelt. Von denen, die immerhin behandelt werden, wird aber nur die Hälfte ausreichend behandelt. Das bedeutet unter dem Strich: Von 100 Menschen mit Bluthochdruck werden nur 15 ausreichend behandelt, bei 85 ist er hingegen nicht bekannt, wird gar nicht oder nicht ausreichend behandelt. In diesem zweiteiligen Beitrag wird unser Naturarzt-Autor Dr. Volker Schmiedel Ihnen diagnostische und therapeutische Grundlagen zum Thema nahe bringen.
Anatomie und Physiologie des BlutdruckesDie Gefäße teilen sich in ein Niederdruck- und
ein Hochdrucksystem auf. In den Venen des Niederdrucksystems
herrscht ein Blutdruck von nur wenigen Millimetern
Quecksilbersäule, in den Arterien des Hochdrucksystems können
hingegen Werte von 120 mm, bei Hochdruck auch 180 mm und mehr, ja
bei starker körperlicher oder seelischer Belastung sogar
Spitzenwerte von 250 mm und darüber erreicht werden.
Was bedeutet ein solcher Blutdruck eigentlich für die Gefäße? Der
Druck in den Arterien wird immer noch in mmHg, das heißt
"Millimeter Quecksilbersäule" gemessen. Ursprünglich hatten die
Blutdruckmeßsysteme tatsächlich einmal eine Quecksilbersäule, deren
Höhe mit dem Blutdruck verglichen wurde. Hört der Arzt mit dem
Stethoskop keine Blutströmungsgeräusche mehr, so ist das Gefäß
vollständig verschlossen. Wird der Druck im Messgerät dann langsam
abgelassen, so entspricht der Wert beim ersten hörbaren Geräusch
dem systolischen Blutdruck. Dies ist der Druck, mit dem das Herz
das Blut in die Hauptschlagader pumpt. Wird der Druck im Gerät
weiter verringert, so ist der zweite Blutdruckwert oder der
diastolische Blutdruck, dann erreicht, wenn das Blut ungehindert
fließen kann. Dies ist der Fall, wenn die Blutdruckmanschette
weniger Druck entfaltet als der Gefäßwiderstand ihr
entgegensetzt.
Theoretisch könnte der Blutdruck auch mit einer Wassersäule
verglichen werden. Da die Geräte dann aber sehr unhandlich wären,
hat man sich für das Quecksilber mit seinem spezifischen Gewicht
von etwa 13 kg/Liter entschieden. Zur besseren Veranschaulichung
wollen wir aber einmal so tun, als wenn es Blutdruckgeräte mit
einer Wassersäule gäbe. Ein normaler Blutdruck von systolisch120
mmHg entspräche dann einer Wassersäule von systolisch über 1,50 m.
Bei einem hohen Blutdruck von 200 mmHg wären dies sogar über 2,50
m. Würde man eine Arterie mit einem solchen Blutdruck anstechen, so
würde das Blut über zweieinhalb Meter in die Höhe spritzen! Dies
zeigt, mit welchem enormen Druck das Blut stoßweise in die Arterien
gepumpt wird.
Da dies im Durchschnitt etwa 100.000mal am Tag erfolgt - und das
ein Leben lang - kann sich jeder leicht vorstellen, welche immensen
mechanischen Kräfte die Arterien ständig bewältigen müssen. Wir
wissen heute, dass der Prozess der Arteriosklerose, der sogenannten
Gefäßverkalkung häufig mit Mini-Verletzungen der Gefäßinnenwand
beginnt. Diese werden durch hohen Blutdruck begünstigt. Die
Ablagerung von Cholesterin, Fetten, Eiweiß und zum Schluss auch
Kalk stellt letztlich einen vergeblichen Heilungsvorgang solcher
Verletzungen dar.
Das vielleicht größte Problem des Bluthochdruck ist, dass er nicht weh tut und der Betroffene ihn in der Regel gar nicht bemerkt. Lediglich bei plötzlich auftretenden extrem hohen Werten kann es beispielsweise zu Kopfschmerzen, Herzklopfen, Angst, Schwindel, Luftnot oder Herzbeklemmung kommen. Die Folgen eines langjährig bestehenden zu hohen Blutdruckes können Sie aber umso drastischer zu spüren. Die wichtigsten Spätkomplikationen sind:
| Wie hoch darf der Blutdruck sein?
Kleiner 140/85 gute Einstellung, bei verdickter Herzmuskelwand
kann ein niedrigerer Druck sinnvoll sein. |
Wir unterscheiden den sekundären Bluthochdruck, bei dem er als
Folge einer anderen Krankheit oder Störung auftritt, vom primären
oder essentiellen Bluthochdruck, dessen Ursache letztlich ungeklärt
ist.
Ursachen für eine sekundäre Hypertonie (Bluthochdruck) sind:
Die sekundäre Hypertonie ist aber nur für wenige Prozent der Bluthochdruckerkrankungen verantwortlich. In der überwiegenden Mehrzahl der Fälle handelt es sich hingegen um eine sogenannte essentielle Hypertonie, einen Bluthochdruck unbekannter Ursache. Nichtsdestotrotz gibt es einige Faktoren, die das Auftreten dieser Krankheit begünstigen können:
Das erste Mal wird der Hypertoniker, also der
Bluthochdruckkranke, meist durch eine Messung beim Arzt, beim
Heilpraktiker oder in der Apotheke auf den zu hohen Blutdruck
aufmerksam gemacht. Eine Schwalbe macht aber noch keinen Frühling.
Oft liegt nämlich ein sogenannter "Weißkitteleffekt" vor. Wenn der
Arzt oder die charmante Arzthelferin den Blutdruck misst, ist er
vielleicht aus eben diesem Grund erhöht. Als Ruheblutdruck zählt
eigentlich nur der Wert, den Sie nach mindestens zehn Minuten Ruhe
ohne körperliche Anstrengung oder Aufregung messen lassen.
Noch genauer ist die automatische Langzeitblutdruckmessung über 24
Stunden, die heute als Goldstandard in der Beurteilung des
Blutdruckes gilt. Hierbei wird Ihr Blutdruck in 1/4 bis 1/2
stündlichen Abständen (nachts etwas seltener) automatisch gemessen
und der Wert gespeichert. Da Sie begleitend ein Protokoll führen
müssen, kann der Arzt sehr gut erkennen,
Ein solches Langzeit-EKG sollte natürlich nicht am Wochenende oder im Urlaub, sondern an einem ganz normalen Arbeitstag getragen werden. Ist der Blutdruck während der Arbeitszeit besonders hoch, dann liegt vermutlich eine stressbedingte sogenannte Arbeitsplatzhypertonie vor.
Nur ein dünner Herzmuskel ist ein guter Herzmuskel!Eine weitere Untersuchung ist das Echokardiogramm. Bei diesem
"Echo", der Vermessung des Herzens mit Ultraschallwellen, kann der
Arzt unter anderem die Dicke der Herzmuskelwände bestimmen. Wenn
das Herz immer gegen einen hohen Gefäßdruck anarbeiten muss, dann
wird der Herzmuskel gewissermaßen trainiert und reagiert mit einer
Verdickung. Anders als beim Training der Skelettmuskulatur, wo ein
solches Muskelwachstum ja durchaus erwünscht sein kann, ist ein
"dicker Herzmuskel" aber alles andere als vorteilhaft. Je dicker
der Muskel, desto schlechter wird er mit Sauerstoff versorgt. Da
die Herzmuskelwand von außen nach innen durchblutet wird, ist bei
einem dicken Muskel die Innenschicht "die letzte Wiese". Sie
bekommt dann im Ernstfall zuwenig Sauerstoff ab und wird
langfristig geschädigt.
Wenn der Arzt bei Ihnen eine solche Verdickung der Herzmuskelwände
(Linksherzhypertophie) feststellt, dann ist "Holland in Not", dann
muss ein bestehender Bluthochdruck sehr viel aggressiver gesenkt
werden, als wenn der Blutdruck "nur erhöht" ist, aber noch keine
Schäden am Herzmuskel hinterlassen hat. Wenn der Blutdruck auf
"Normalwerte" oder sogar darunter gesenkt wird, die können sich
Wände wieder verdünnen. Meist werden hierzu allerdings
blutdrucksenkende Medikamente benötigt. Die Herzscheidewand, das
sogenannte Septum, sollte eine Dicke von 12 mm nicht
übersteigen
Beim Belastungs-EKG werden Sie und Ihr Herz meist mit
Fahrradfahren (Kletterstufe oder Laufband) bis an die Grenze der
Leistungsfähigkeit belastet. Treten hierunter Herzrhythmusstörungen
auf, gibt es Hinweise auf einen Sauerstoffmangel im Herzen und wie
reagiert der Blutdruck unter Belastung? Dies sind einige der
wichtigen Fragen, die nur mit einer solchen kontrollierten
Provokation beantwortet werden können.
Ein sonst normaler Blutdruck kann unter körperlicher Belastung
manchmal überschießend reagieren. Er steigt dann
überdurchschnittlich an. Als Grenzwert gilt ein Wert von systolisch
200 mmHg bei 100 Watt Leistung. Der diastolische Wert sollte
hingegen auch bei hohen Belastungen niemals über 100 mmHg
ansteigen. Liegt zusätzlich zu erhöhten Ruheblutdruckwerten noch
eine solche Belastungshypertonie vor, ist ebenfalls eine forschere
Senkung angezeigt.
Manchmal kommt es jedoch auch dazu, dass hohe Ruhewerte sich unter
Belastung denen von "Normotonikern" angleichen. Dies spricht eher
für einen vegetativ bedingten Blutdruck. Entspannungsübungen und
vegetativ ausgleichende Maßnahmen wie pflanzliche
Beruhigungsmittel, Sauna, vor allem aber Ausdauersportarten sind
dann besonders angezeigt
Manchmal können Untersuchungen zum Ausschluss einer sekundären Hypertonie sinnvoll sein. Diese sind aber nicht bei jedem neu entdeckten Bluthochdruck erforderlich, sondern nur dann, wenn es konkrete Hinweise auf eine der Ursachen gibt. Ein Indiz für einen sekundären Bluthochdruck stellt die ungenügende Nachtabsenkung des Blutdruckes in der Langzeitmessung dar. Eine Diagnostik der Blutsalze, bestimmter Hormone oder auch der Nierenarterie kann dann nötig sein.
Selbstmessung ist unverzichtbarAls sehr wertvolles Instrument zur Steuerung der Therapie hat
sich die Blutdruckselbstmessung erwiesen. Während vor einigen
Jahrzehnten dieses einfache und preiswerte Verfahren von
konservativen Medizinern schlichtweg abgelehnt wurde ("Das kann der
Patient doch gar nicht!"), ist die Blutdruckselbstkontrolle heute
gar nicht mehr aus der Diagnostik wegzudenken. Untersuchungen haben
ergeben, dass Patienten, die ihren Blutdruck selbst messen, meist
eine wesentlich bessere Einstellung der Werte und weniger
Folgekrankheiten aufweisen. Wie auch bei der
Blutzuckerselbstmessung zeigte sich, dass die Übernahme von
Verantwortung durch den Patienten in der Regel größere Vorteile und
geringere Risiken bedeutete.
Mittlerweile gibt es eine Vielzahl von Geräten auf dem Markt.
Traditionell erfolgt die Messung an der Armarterie in der
Ellenbeuge, inzwischen haben aber auch Geräte, die am Handgelenk
angelegt werden, einige Marktanteile erobert. Die Messungen mit
diesen Geräten sollen immer noch ungenauer als die Messungen der
Ellenbeuge sein. Dafür sind sie einfacher in der Handhabung. Der
Patient misst daher öfter mit ihnen.
Ein Patentrezept kann ich Ihnen leider nicht geben. Wichtig ist
aber, dass Sie mehrere Geräte ausprobieren sollten. Am besten
sollten Sie parallel mit der Arzthelferin und deren geeichtem
Standardgerät messen. Kommen Sie dabei mit Ihrem Gerät zu
vergleichbaren Ergebnissen und ist das Gerät für Sie persönlich
bedienungsfreundlich, dann haben Sie die richtige Wahl getroffen.
Viele Geräte zeichnen sich heute durch einen überflüssigen
High-Tech-Schnickschnack aus, der die Handhabung nicht selten
erschwert, von Ihnen teuer bezahlt werden muss und meist keine
Vorteile bringt. Für den Technikfreak kann das Abspeichern der
letzten dreißig Messwerte und deren graphische Darstellung
natürlich schon interessant sein.
Wie oft sollte gemessen werden?
Das kommt darauf an. Ist der Blutdruck bei Ihnen sehr stabil, reichen vielleicht gelegentlich Messungen von zwei- bis dreimal in der Woche zu verschiedenen Tageszeiten aus. Ist der Blutdruck hingegen sehr schwankend, ist der Bluthochdruck gerade erst entdeckt worden oder werden Sie vielleicht auf ein neues Medikament eingestellt, dann kann es sogar sinnvoll sein, den Blutdruck anfänglich mehrmals täglich zu verschiedenen Gelegenheiten zu bestimmen - etwa direkt nach dem Aufstehen, gegebenenfalls eine Stunde nach der Medikamenteneinnahme, nach einer körperlichen oder seelischen Belastung sowie nach dem Essen, damit Sie ein Gespür dafür bekommen, welche Einflüsse Ihren Blutdruck in welche Richtung beeinflussen.
siehe auch: Literaturhinweise
Hypertonie - Runter mit dem Druck
In diesem Beitrag soll es um die erfolgreiche Senkung eines erhöhten Blutdruckes gehen. Leider wird dieser gefährlichen, für viele Folgekrankheiten verantwortlichen Störung nicht immer die Aufmerksamkeit und die Behandlung zuteil, die sie eigentlich verdient hätte.
Warum wird nicht behandelt?Blutdruck tut nicht weh. Warum sollte jemand entweder seine
Lebensweise drastisch ändern oder gar jahre- oder lebenslang
Medikamente nehmen, wenn keine Beschwerden bestehen? Dass das
Risiko, einen Schlaganfall, einen Herzinfarkt oder ein Nierenleiden
zu bekommen, deutlich gesenkt werden kann, ist zwar intellektuell
erfassbar, der Nutzen einer Senkung ist am eigenen Leib aber nicht
unmittelbar spürbar.
Nicht wenige Betroffene wissen zwar um die Gefahr, die vom zu hohen
Blutdruck ausgeht. Die potentielle Gefahr, die von den
Antihypertonika, den Blutdruckh(a)emmern ausgeht, wird aber nicht
selten als noch größer eingeschätzt - gerade auch von
naturheilkundlich orientierten Menschen.
Daher sei gleich zu Beginn meine dringende Empfehlung
ausgesprochen: Senken Sie Ihren Blutdruck in vernünftige Bereiche
(siehe Artikel im vorigen "Naturarzt"). Wenn irgend möglich,
sollten Sie dies mit naturheilkundlichen Maßnahmen erreichen.
Sollte dies aber nicht gelingen, so zögern Sie nicht, auch
konventionelle Medikamente einzusetzen.
Die Liste der Nebenwirkungen im Beipackzettel ist meist lang und bedrohlich. Bei den meisten Anwendern treten diese Nebenwirkungen jedoch nicht oder in einem erträglichen Maße ein. Sind die Nebenwirkungen zu stark, so wählen Sie gemeinsam mit Ihrem Arzt ein Medikament einer anderen Substanzklasse aus. Es gibt für praktisch jeden Menschen mindestens ein Blutdruckmedikament, welches gut vertragen wird - es sei denn, es liegt eine Phobie gegen synthetische Medikamente vor, dann werden vom Patienten die "Nebenwirkungen" unbewusst "produziert".
| Medikamente gegen Bluthochdruck
Beta-Blocker blockieren die Auswirkung von Stress auf das Herz.
Blutdruck, Puls und Herzkraft sinken. |
Etwa 95 % aller Bluthochdruckpatienten leiden unter einer sogenannten essentiellen Hypertonie, für die es keine fassbare Ursache, aber begünstigende gibt. Dieser lässt sich durch geeignete Naturheilverfahren meist in den Normbereich absenken. Ist dies nicht allein durch natürliche Methoden möglich, so stellen die Naturheilverfahren dennoch eine Unterstützung einer gegebenenfalls erforderlichen schulmedizinischen Therapie dar. Die einzelnen Verfahren sollen hier ausführlicher dargestellt werden.
Ordnungstherapie/PsychosomatikBluthochdruckpatienten leiden nicht selten an geringer
Selbsteinschätzung. Sie stellen oft hohe Anforderungen an sich
selbst ("setzen sich unter Druck"), sind sehr fleißig und
leistungsorientiert. Oftmals werden auch Konflikte nicht offen
ausgetreten und schwelen im Verborgenen weiter. Manchen Patienten
läuft aber auch "die Galle über" (Choleriker), was zur Entwicklung
und Verstärkung des Bluthochdruckes beiträgt.
Wenn Sie sich hier wiederfinden, so sollten Sie lernen, Konflikte
nicht um jeden Preis zu vermeiden, sie gegebenenfalls offen und
angemessen, aber nicht mit übertriebener Wut auszutragen.
Entspannungstherapien wie Yoga, Autogenes Training oder
Muskelentspannungstraining nach Jacobson können sehr hilfreich
sein. Fatal ist, dass gerade die rationalen, stressanfälligen
Hypertoniker von diesem "meditativen Quatsch" nicht besonders viel
halten.
Seien doch Sie offen (Enge im Denken verengt auch das Herz und die
Gefäße), probieren Sie Entspannungstechniken doch einmal für einige
Wochen aus - in jeder Volkshochschule kann man diese Techniken
heutzutage für wenig Geld und mit geringem Aufwand erlernen. Der
größte Widerstand ist nur "Ihr eigener Schweinehund". Sie werden
merken, dass es nicht nur Ihrem Blutdruck, sondern dem ganzen
Menschen (und der Umgebung vielleicht auch) besser gehen wird, wenn
Sie entspannter und ausgeglichener sind.
Werden Sie sich auch bitte über Ihre negativen Gefühle klar. Sind
wirklich alle anderen außer Ihnen Idioten, die nichts können und
ständig falsch entscheiden? Können Sie wirklich keine Verantwortung
(Macht) abgeben? Nicht derjenige ist der Beste, der alles selber
kann und macht, sondern der die richtigen Leute in seinem Team um
sich schart und den richtigen Leuten die richtigen Aufgaben in
deren eigener Verantwortung überlässt (das trifft für den Betrieb,
die Familie, den Verein usw. zu).
Oder hat dieser Themenbereich für Sie gar keine so große Bedeutung?
Vielleicht ist bei Ihnen die richtige
viel wichtiger. Sind Sie übergewichtig, trinken gern einmal ein Gläschen (auch hin und wieder eines zuviel) und essen lieber Schnitzel mit Pommes als Lachs mit Salat? Dann ist eine Ernährungsumstellung für Sie bestimmt angebracht:
Unterstützend können auch bestimmte Vitamine und Mineralstoffe in höherer Dosierung, als wir sie üblicherweise mit der Nahrung zu uns nehmen, zur Blutdrucksenkung beitragen. Die folgenden Substanzen haben eine nachgewiesene Wirkung:
1 kg Reduktion entspricht einer durchschnittlichen Senkung von
1-2 mmHg. Mit dem Heilfasten nach Buchinger können Sie in so kurzer
Zeit eine so starke Blutdrucksenkung erzielen, dass der Blutdruck -
insbesondere an den ersten Tagen - teilweise dramatisch sinkt.
Sollten Sie blutdrucksenkende Medikamente einnehmen, so sollten Sie
diese unter fastenärztlicher Aufsicht mit Fastenbeginn deutlich
reduzieren oder sogar ganz absetzen. Die blutdrucksenkende Wirkung
kommt im Fasten hauptsächlich durch starke Salz- und Wasserverluste
(ähnlich einer Wassertablette), später auch durch
Entspannungseffekte im Sinne einer Harmonisierung des vegetativen
Nervensystems zustande.
Nach Fastenende kann es wieder zu einem gewissen Blutdruckanstieg
kommen, die Werte sind aber deutlich besser als vor dem Fasten.
Sollten doch wieder Medikamente eingenommen werden müssen, so ist
die Dosis jedoch meist wesentlich niedriger als vorher.
Auch einzelne eingestreute Entlastungstage (z .B. ein Obst-, Saft-
oder Reisstag pro Woche) können über eine Entwässerung und
Entsalzung des Körpers bereits zu einer messbaren Blutdrucksenkung
führen.
Schauen Sie lieber die Sportsenkung "ran" oder gehen Sie lieber
selbst sportlich "ran"? Bewegungsmuffel können mit
Ausdauersportarten wie Gehen, Wandern (heute heißt das ja
attraktiver "Walking" bzw. "Powerwalking" - macht nichts,
Hauptsache Sie bewegen sich!), Laufen oder Radfahren nachhaltig
ihren Blutdruck senken. Bewegungstherapie wirkt dabei wie ein
Beta-Blocker, ohne mit den Nebenwirkungen von Beta-Blockern
behaftet zu sein! Blutdruck und Herzfrequenz gehen zurück,
Stressbelastungen wirken sich nicht mehr so auf das Herz aus, im
Gegensatz zum Beta-Blocker nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit
aber zu, ebenso verbessern sich die Fettwerte und das Körpergewicht
geht zurück.
Ganz wichtig ist das Einhalten der Anforderungen an ein
angemessenes Ausdauertraining:
Aus dem Bereich der Physikalischen Therapie wirken
Kohlendioxidbäder blutdrucksenkend. Aber auch beruhigende
Vollbäder, sofern das Herz dafür ausreichend belastbar ist, mit
Zusätzen wie Lavendel, Melisse oder Baldrian sind hilfreich.
Wechselwarme Güsse oder Waschungen senken den Bluthochdruck. Auch
ansteigende Arm- oder Fußbäder (bis 39° C) sind angebracht.
Wenn Sie zweimal wöchentlich in eine Sauna gehen, dann tun Sie
langfristig etwas besonders Gutes für Ihren Kreislauf. Die warme
trockene Luft dehnt die Gefäße aus, was zu einer Blutdrucksenkung
führt. Dabei müssen Sie jedoch einige Punkte beachten:
Der Blutdruck sollte gut eingestellt sein. Mit einem akuten Wert von systolisch 180 oder mehr oder von diastolisch 110 mmHg oder mehr sollten Sie nicht die Sauna besuchen.
Von pflanzlichen Heilmitteln kann man sich beim Blutdruck im Gegensatz zu vielen anderen Erkrankungen keine sehr ausgeprägten Effekte erwarten. Hier sind allenfalls Senkungen um einige Millimeter Quecksilbersäule denkbar. Vielleicht sprechen Sie aber besonders gut darauf an. Probieren Sie ein gut dosiertes Weißdornpräparat aus (z. B. Crataegutt® forte, Regulacor® oder Crataegus Verla® Filmtabletten). Manche Hypertoniker sprechen auch auf Mistelpräparate an (z.B. Viscysat® Bürger Tropfen oder Misteltropfen Curarina). Pflanzliche Kombinationspräparate sind beispielsweise Ascoviscum® N Tropfen/Kapseln oder Antihypertonikum S Schuck.
HomöopathieVon der Homöopathie können Sie dann gute Effekte erwarten, wenn das Arzneimittel genau zu Ihrem Krankheitsbild passt. Das homöopathische Mittel, welches jeden Blutdruck gut zu senken in der Lage ist, gibt es leider nicht. Hier sind einige Beispiele angegeben und mit Dosierungsempfehlungen in einer Tiefpotenz versehen. Wenn eines dieser Mittel bei Ihnen passt, sollten Sie es dreimal täglich als Tropfen oder Tabletten einnehmen. Eine konstitutionelle homöopathische Behandlung mit einer Hochpotenz ist möglicherweise auch imstande, den ganzen Menschen so ins Gleichgewicht zu bringen, dass auch der Blutdruck normalisiert wird. Eine solche Behandlung sollte aber dem erfahrenen homöopathischen Arzt oder Heilpraktiker vorbehalten bleiben. Hier die Beispiele für die Selbstmedikation:
Zum Schluss noch zwei ausleitende Verfahren, nämlich das blutige
Schröpfen über den entsprechenden Reflexzonen und der Aderlass aus
der Vene. Beides hat eine gute blutdrucksenkende Wirkung, wenn der
Patient "vollblütig", also ein rotes Gesicht mit Blutandrang hat.
Im Blutbild zeigt sich dann oft ein hoher Hämatokrit, d.h. ein
großer Anteil der roten Blutkörperchen. Ein solches Blut ist meist
sehr viskös und lässt sich nur schwer durch die Gefäße pumpen, eben
nur "mit einem hohen Druck". Der Körper benötigt den Bluthochdruck
geradezu, um die Gewebe ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen.
Tritt hier eine Entlastung durch einen Blutverlust und
anschließende Blutverdünnung ein, so kann das Herz das Blut viel
leichter transportieren und kommt mit einem geringeren Druck
aus.
Besonders Frauen, die in den Wechseljahren einen Bluthochdruck
entwickeln, können von einer solchen Ausleitung profitieren, da der
"natürliche Aderlass der Menstruation" so nachgeahmt wird.
Gelegentliche, wöchentliche, kleine Schröpfungen oder Aderlässe
(100-200 ml) bewirken manchmal wahre Wunder. Diese ausleitenden
Verfahren sollten natürlich nur von darin erfahrenen Therapeuten
unter gelegentlicher Kontrolle mittels Blutbild
durchgeführt werden.
Ganz zum Abschluss noch etwas ganz Besonderes: Ein umfassendes
Heilsystem wie der fünftausend Jahre alte Ayurveda hat ein
ganzheitliches Kurverfahren entwickelt, in dem verschiedene
Heilverfahren kombiniert werden. Ernährung, Physikalische
Therapien, Entspannungstherapien und Ausleitung werden so zu einem
sinnvollen Ganzen, welches nicht nur die Seele ins Gleichgewicht
bringt, sondern auch den Blutdruck häufig normalisiert.
Das Panchakarma beginnt mit einem mehrtägigen Trinken von Ghee, der
geklärten Butter, zum Frühstück und einer leichten, fastenähnlichen
Kost. Nach einigen Tagen kommt es dann zu einer großen Ausleitung
mit einem Abführmittel (selten bei geeigneter Konstitution auch mit
einem Brechmittel). Anschließend werden abwechselnd nährende und
ausleitende Einläufe durchgeführt. Parallel dazu finden vegetativ
entspannende Massagen statt, die nichts mit dem hierzulande
manchmal üblichen "Durchkneten" zu tun haben. Harmonisierende
Yoga-Übungen runden das Ganze ab. Für eine Pancha-Karma-Kur sollten
Sie sich aber Zeit nehmen. 11 Tage sind das Mindeste, besser sind
14, noch besser 21 Tage. Hierunter konnten schon viele Hypertoniker
ihre Blutdruckmittel reduzieren oder ganz absetzen.
Vielleicht kommen Sie schon mit einem der oben angegebenen
Naturheilverfahren aus und können einen normalen Blutdruck
erreichen, der ihnen bei guter Lebensqualität zu einem langen Leben
verhilft. Sind Sie übergewichtig, so sind Heilfasten und
anschließend eine geeignete Ernährung möglicherweise genau das
Richtige für Sie. Sind Sie eher ein "Stress-Man", so sollten Sie
eher die ordnungstherapeutischen Hinweise beachten.
Viele Hypertoniker benötigen aber eine Kombination mehrerer der
angegebenen Verfahren. Je mehr der Hinweise sie berücksichtigen und
je konsequenter Sie dies tun, umso größere Erfolge werden Sie
erzielen. Gegebenenfalls benötigen Sie aber auch die Unterstützung
eines erfahrenen Naturheilkundlers, der Ihnen bei der Auswahl und
der Durchführung der geeigneten Methoden weiterhilft.
Ganz wichtig: Wer heilt, hat recht! Aber nur wer überprüfbar heilt,
hat langfristig Erfolg. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Darum sollten Sie unbedingt mit den im ersten Teil des Beitrages
beschriebenen diagnostischen Verfahren den Behandlungserfolg
objektiv überprüfen. Haben Sie etwa in der
Langzeit-Blutdruck-Messung einen Durchschnittswert von 118/79 mmHg,
so können Sie sich gratulieren. Ist der Wert hingegen bei 154/93
mmHg oder kommt es im Belastungs-EKG bei 100 Watt zu einem Anstieg
auf 220/110 mmHg, so können Sie sich damit noch nicht zufrieden
geben. Dann sollten Sie das Programm intensivieren, möglicherweise
benötigen Sie aber auch die Hilfe eines Antihypertonikums -
zumindest vorübergehend.
Einmal Blutdruckmittel bedeutet keineswegs immer Blutdruckmittel!
Ich habe schon bei so vielen langjährigen Hypertonikern die
Medikamente deutlich reduzieren, manchmal sogar ganz absetzen
können, dass ich guten Gewissens sagen kann: Es lohnt sich immer,
mit Naturheilverfahren den Bluthochdruck zu behandeln. Bleiben Sie
bei allen Bemühungen aber immer gelassen und optimistisch. Machen
Sie sich gerade bei der Blutdrucksenkung keinen unnötigen Druck.
Viel Erfolg!
| Literatur: Schmiedel/Augustin: Handbuch Naturheilkunde, Kap. Bluthochdruck Martin/Middeke/Pospisil/Völker: Bluthochdruck senken ohne Medikamente Koch, L.: Bluthochdruck bei Frauen Undeutsch: Bluthochdruck - vorbeugen und behandeln |
Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir
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