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Seite: Nierensteine - Sind Sie steinreich? Vorbeugung der Steinbildung


Vorbeugung der Steinbildung in Galle und Niere durch Ernährung

Dr. Volker Schmiedel
Habichtswald Klinik
34131 Kassel
Telefon 0561 3108-101
E-Mail schmiedel@habichtswaldklinik-ayurveda.de

Wer wäre nicht gerne "steinreich". Etwa 15 % der deutschen Bevölkerung dürfen dieses Privileg für sich in Anspruch nehmen, wobei die Bezeichnung allerdings wörtlich zu nehmen ist: Die Betroffenen haben nämlich Gallensteine. Viele merken davon allerdings gar nichts, da die Gallensteine nicht selten für lange Zeit oder sogar für immer symptomlos bleiben. Viel seltener hingegen sind Nierensteine, von denen etwa jeder tausendste in Deutschland betroffen ist. Diese Steine machen sich dann aber oft durch unangenehme Koliken bemerkbar.


Wenn die Galle plötzlich aufmuckt

Unter diesem Titel erschien in der Naturarzt-Ausgabe 1/99 ein ausführlicher Artikel zur konventionellen und naturheilkundlichen Therapie der Gallensteine. Dort können Sie nachlesen, wie Sie Gallensteine erkennen und behandeln lassen können. In diesem Beitrag soll es darum gehen, wie Sie die Entstehung bzw. das Größerwerden von Gallensteinen vermeiden können.


Wer ist gefährdet?

Einige Menschen weisen ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Gallensteinen auf. Dazu gehören alle, in deren Familie bereits Gallensteine vorgekommen sind. Erbfaktoren spielen also eine große Rolle. Des weiteren sollten sich Frauen, die Östrogen-Präparate oder die "Pille" einnehmen, ihres erhöhten Risikos bewusst sein. Auch in der Schwangerschaft können sich in der Galle leichter Steine als sonst bilden. Nun kommen wir aber zu den Faktoren, die ernährungsabhängig und damit durchaus beeinflussbar sind.

Unbestritten ist in der medizinischen Wissenschaft, dass Menschen mit Übergewicht zu Gallensteinen neigen. Je größer das Übergewicht, desto größer ist auch das Risiko. Abnehmen tut also Not, um Gallensteine zu verhindern. Aber Vorsicht: Auch das Abnehmen birgt Gefahren: Gallensteine entstehen nämlich auch dann besonders rasch, wenn jemand in kurzer Zeit viel Gewicht verliert, z. B. in sogenannten Crash-Diäten ("Wie Sie mit der XY-Diät in 2 Wochen 10 Pfund verlieren können!"). Diese Diäten werden ja aus ernährungsphysiologischer Sicht schon deshalb abgelehnt, weil das Ernährungsverhalten nicht grundlegend geändert wird und anschließende Gewichtszunahmen meist vorprogrammiert sind. Das Risiko der Steinbildung ist also ein weiteres Argument gegen solche - oft unnatürlichen und ungesunden - Kostformen.

Ein erhöhter Cholesterinspiegel im Blut kann zur Bildung von Cholesterinsteinen in der Galle führen. Nicht nur deshalb, aber auch deshalb sollten Sie sich cholesterinarm ernähren und hierbei besonders tierische Fette meiden. Ganz besonders hilfreich ist eine Kost, die reich an Ballaststoffen ist. Ballaststoffe sind nämlich in der Lage, das in der Gallenflüssigkeit vorhandene Cholesterin im Darm zu binden und somit an der Wiederaufnahme zu hindern. Das so gebundene und ausgeschiedene Cholesterin kann dann nicht mehr in die Leber und anschließend in die Galle zurückgelangen. Alle anderen Maßnahmen, die Cholesterin senken können, wie etwa Stressbewältigung und Ausdauertraining, mindern indirekt auch das Gallensteinrisiko.

Nicht empfehlenswert ist hingegen eine fettreiche Ernährung. Einerseits trägt eine solche Diät zur Entwicklung des Übergewichtes bei, anderseits ist sie meist ballaststoffarm. Sollten bereits Gallensteine vorhanden sein, so können fettreiche Mahlzeiten Gallenkoliken auslösen. Dasselbe gilt für die Zufuhr von Kaffee oder alkoholischen Getränken.

Hilfreich ist auch die Zufuhr von Kräutern und Gewürzen, die die Gallenproduktion anregen (die Gallenflüssigkeit also verdünnen) und die Entleerung der Galle fördern. Hierzu gehören beispielsweise Schöllkraut, Schafgarbe oder Löwenzahn, woraus Sie Tees herstellen können. Aus dem Löwenzahn, aus Endivien und anderen bitteren Pflanzen können Sie auch einen gesunden Salat bereiten. Verwenden Sie bei Ihren Gerichten großzügig das stark galletreibende Gewürz Curcuma, die Gelbwurz. Ihre Galle wird Ihnen danken. Sind allerdings bereits Steine vorhanden, dann müssen Sie mit galletreibenden Substanzen (wie beim Fett, Alkohol oder Kaffee) eher vorsichtig sein, da sonst nicht nur die Gallenflüssigkeit, sondern auch die vorhandenen Steine ausgetrieben werden könnten. Verstopft der Stein dann den Gallengang, so kommt es zu einer äußerst schmerzhaften Kolik.

Was Sie meiden, was Sie essen dürfen, um Gallensteinen vorzubeugen

Galletreibender Tee  
Rp. Benediktenkraut  
  Wermutkraut  
  Pfefferminzblätter  
  Löwenzahnkraut  
  Mariendistelfrüchte je 20,0 g

1 TL pro Tasse, heiß übergießen, 20 Minuten ziehen lassen, 3 Tassen täglich, zur Anregung des Galleflusses, als Teekur 4 bis 6 Wochen lang

Nieren- und Blasentee  
Rp. Birkenblätter 30,0 g
  Goldrute 20,0 g
  Hauhechel 10,0 g
  Pfefferminzblätter 10,0 g
  Fenchelfrüchte 10,0 g

1 TL pro Tasse, heiß übergießen, 10 Minuten ziehen lassen, mehrere Tassen täglich zur Anregung des Harnflusses, bei Bedarf oder als Teekur 4 bis 6 Wochen lang

Wodurch entstehen Nierensteine?

Nierensteine entstehen immer dann, wenn die Konzentration bestimmter Substanzen im Harn größer las deren Löslichkeit ist. Die meisten Steine bestehen aus Kalziumverbindungen, seltener gibt es auch Steine, die Magnesiumphosphat, Harnsäure, Zytin oder Xanthin enthalten. Harnwegsinfekte und Abflussstörungen in den ableitenden Harnwegen können die Bildung von Nierensteinen begünstigen.

Wie können Sie Nierensteinen vorbeugen?

Die wichtigste Maßnahme besteht in Trinken, Trinken und nochmals Trinken. Das bedeutet: Viel Trinken, das Richtige Trinken und zu den richtigen Zeiten trinken.

Ein dünner, fast wasserklarer Urin, wie Sie ihn nach reichlich Flüssigkeitszufuhr beobachten können, kann praktisch keine Steine bilden. Entscheidend ist dabei nicht die Flüssigkeitsmenge, die Sie trinken, sondern jene, die Sie ausscheiden. Im Sommer ist die Harnmenge wegen der Flüssigkeitsverluste über den Schweiß möglicherweise viel geringer als im Winter, obwohl Sie mehr getrunken haben. Sammeln Sie doch einmal an mehreren Tagen hintereinander Ihren Harn und messen Sie das Volumen. Ist es weniger als ein Liter, so sollten Sie unbedingt mehr trinken. Liegen Sie zwischen ein und zwei Liter, dann können Sie schon zufrieden sein. Hatten Sie schon einmal Nierenstein, so sollten mehr als zwei Liter die Regel und weniger die Ausnahme sein.

Was ist das richtige Getränk?

Viele Menschen decken einen Großteil ihrer Flüssigkeitszufuhr über Alkoholika (z.B. Bier) und koffeinhaltige Getränke (z.B. Kaffee, aber auch Schwarz- und Grüntee). Sowohl von Bier als auch von Kaffee verzehrt jeder Bundesbürger durchschnittlich weit mehr als 100 Liter jährlich. Leider schützt dieses Trinken nicht vor Nierensteinen, sondern fördert indirekt deren Bildung. Das ist erstaunlich, wo doch nicht wenige Nierenstein-Patienten von ihren Ärzten den Rat gehört haben: "Trinken Sie Bier, dann bekommen Sie keinen Nierenstein!" Der Alkohol im Bier und das Koffein im Kaffee (oder Tee, Cola etc.) wirkt pharmakologisch wie ein Diuretikum, ein Entwässerungsmittel. Hierdurch sowie durch das in diesen Getränken enthaltene Wasser kommt es zwar zu einer Harnflut, der Organismus trocknet hierdurch aber etwas aus. In der Folge kommt es zu einer Konzentration des Harnes in den der Harnflut folgenden Stunden. In dieser Phase werden dann nicht selten Konzentrationen erreicht, die lithogen, also steinbildend sind. Sie kennen diesen Effekt vom berühmten "Nachdurst", der in der Nacht oder am Morgen nach einem durchzechten Abend eintritt. Er ist die Folge der Entwässerung des Körpers durch den Alkohol.

Das richtige Timing ist entscheidend

Nicht wenige Menschen trinken tagsüber sehr viel und produzieren dadurch auch einen sehr dünnen Harn. Abends wird die Zufuhr dann aber häufig stark eingeschränkt, weil man ja nachts nicht zu oft zum Wasserlassen aufstehen möchte. Dann konzentriert sich der Urin aber wieder mitunter sehr stark und wird lithogen. Wenn sich Steine bilden, dann meist in der Nacht, still, heimlich und unbemerkt.

Sie können aber ganz leicht feststellen, ob Ihr Urin in der Nacht zu stark konzentriert. Mit einfachen Geräten, die das spezifische Gewicht einer Flüssigkeit messen, können Sie Ihr Risiko bereits abschätzen (es gibt mittlerweile auch Urinteststreifen, die das spezifische Gewicht ebenfalls grob angeben). Das spezifische Gewicht reinen Wassers liegt bei 1,000, die Niere erzeugt einen Harn, der selten unter 1,004 (sehr dünn) und kaum über 1,028 (sehr konzentriert) liegt. Wenn Sie schon einmal einen Nierenstein hatten oder gefährdet sind, so sollten Sie das spezifische Gewicht des Morgenurins unter 1,015, besser noch unter 1,010 halten. Werte über 1,015 oder gar 1,020 zeigen an, dass Sie abends bzw. in der Nacht zu wenig trinken. Sie sollten sich dann noch einmal vor dem Schlafengehen ein Gläschen (natürlich keinen Alkohol) gönnen. Wenn Sie in der Nacht wach werden, so trinken Sie am besten auch noch einmal einen Schluck - am besten stellen Sie ein Glas Wasser oder Kräutertee neben das Bett. Dann haben Nierensteine kaum eine Chance!

Wie Sie Nierensteine vermeiden können

Weiterführende Literatur:
  • Schmiedel, V.; Augustin, M.: Handbuch Naturheilkunde, Kap. Gallensteine, Kap. Nierensteine
  • Schmiedel, V.: Cholesterin naturgemäß behandeln
  • Schmiedel, V.: Wenn die Galle plötzlich aufmuckt, Naturarzt 1/99
  • Bircher-Benner-Ratgeber 1 - Leber und Galle
  • Hesse/Joost: Ratgeber für Harnsteinpatienten

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift "Der Naturarzt". Wir danken dem Access-Verlag für die freundliche Genehmigung zum Abdruck.
www.naturarzt-access.de

 


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