
Wer den lieben langen Tag am Schreibtisch sitzt, leidet
häufig unter schmerzhaften Muskelverspannungen. Mit Nordic Walking kann man
diese Beschwerden lindern, wenn sie bereits da sind, und Schmerzen auch effektiv
vorbeugen.
Ein steifer Nacken, steinharte Schultern, Schmerzen im Kreuz –
so sieht oftmals das Resultat eines anstrengenden Bürotages aus. Denn wer
stundenlang und krumm wie ein Fragezeichen vor seinem Computer sitzt, tut seinem
Körper keinen Gefallen. Eine falsche Haltung oder einseitige Bewegungsabläufe
bedeuten für die beanspruchten Muskeln eine Dauerbelastung, auf die sie häufig
mit unangenehmen Verspannungen reagieren. Mehr als 70 Prozent aller Erwachsenen
kennen solche Beschwerden im Bereich der Nacken-, Schulter- und Rückenmuskulatur
nur zu gut. Nach ein paar Tagen sind sie meist wieder verschwunden. Halten sie
jedoch länger an, drängt der Schmerz die Betroffenen in eine Schonhaltung, durch
die die Muskulatur noch mehr verhärtet und damit zu neuen Schmerzen führt. Schon
beginnt ein Teufelskreis.
Alltägliche
Ursachen
Verspannungen sind oft die Folge einer zu schwachen
Muskulatur. Werden Muskeln nicht regelmäßig bewegt und gestärkt, verkümmern sie
und verkrampfen schneller. Auch organische Probleme können die Ursache sein –
etwa Skelettanomalien oder Verschleißprozesse in Bandscheiben, Sehnen und
Gelenken. In den meisten Fällen sind jedoch schlicht und ergreifend krank
machende Alltagssituationen schuld: die ständige gebeugte Haltung am
Schreibtisch, das lange Sitzen im Auto, Bahn oder Flugzeug, manchmal reichen
sogar schon ein unbequemes Kissen oder ein kalter Luftzug aus. Und auch
psychischer Druck ist ein wichtiger Faktor für das Entstehen von Verspannungen.
Meist ist dann die Nacken- und Schulterpartie betroffen. Denn Angst, Frust und
Stress sitzen uns sprichwörtlich „im Nacken“ – ganz unbewusst ziehen wir den
Kopf ein.
Diese dauernde Anspannung führt zu einer Fehlhaltung und
Überlastung der betroffenen Muskeln. Sie werden schlechter durchblutet und
dadurch nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Das kann
längere Zeit gut gehen. Doch irgendwann verkrampfen die Muskelfasern. Sie
schaffen es nicht mehr, den gesteigerten Muskeltonus herunterzufahren, werden
hart und beginnen schließlich zu schmerzen. Bewegungseinschränkungen können die
Folge sein. Den Kopf zur Seite drehen, sich bücken – alles tut dann weh. Häufig
breiten sich solche Schmerzpunkte auch noch weiter aus. Verspannungen im
Nackenbereich können sogar zu Kopfschmerzen und hartnäckigen Schlafstörungen
führen.
Nordic Walking entkrampft
Regelmäßige Bewegung
hilft, schmerzhafte Verspannungen abzubauen und ihnen langfristig
entgegenzuwirken. Ein sanftes aber effektives Ganzkörpertraining wie Nordic
Walking ist dafür sogar besonders gut geeignet. Denn durch den schwungvollen
Stockeinsatz werden auch jene Muskelgruppen des Oberkörpers gekräftigt und
gelockert, die häufig zu Verspannungen neigen. Ausdauersportarten wie Jogging
oder normales Walking sind hierin weit weniger intensiv.
Nordic Walking
trainiert 90 Prozent unserer gesamten Körpermuskulatur. Ein Drittel davon wird
allein durch die Verwendung der Stöcke aktiviert. Die lockernde Wirkung von
Nordic Walking auf Nacken-, Schulter- und Rückenmuskulatur erklärt sich vor
allem aber durch die spezifische Armtechnik. Der Griff der Stöcke wird bei jedem
Schritt abwechselnd fest gefasst und dann wieder locker gelassen. Dieses
rhythmische Spannen und Entspannen der Arm- und Schultermuskulatur führt im
gesamten Oberkörper zu einer Art Muskelpumpwirkung. Dadurch verbessert sich die
Durchblutung dieser Regionen. Die Muskeln werden ordentlich mit Sauerstoff und
Nährstoffen versorgt, Stoffwechselprodukte können besser abtransportiert werden.
Das macht die Muskulatur wieder weich und geschmeidig. Die Verspannungen lösen
sich, die Schmerzen verschwinden. Wichtig für diesen lockernden Effekt ist
allerdings, dass der Armeinsatz korrekt ausgeführt wird. Bei falscher Technik
können sich die Verspannungen unter Umständen sogar noch verstärken. Wer sich
technisch noch ein wenig unsicher fühlt, sollte daher lieber noch einmal mit
seinem Trainer üben.
Nordic Walking wirkt aber auch noch auf anderer
Ebene vorbeugend: Die Bewegung an der frischen Luft sorgt für die nötige
Entspannung vom Alltag und hilft langfristig, in Stresssituationen gelassener zu
reagieren. Und wer öfter die Ruhe bewahrt, leidet auch seltener unter
Verspannungen.
Massagen und Wärme
Hat es Sie dann doch
einmal erwischt, gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, um die
Verspannungen wieder in den Griff zu bekommen. Eine Schmerztablette ist dabei
nicht unbedingt die beste Wahl. Die sorgt zwar für eine rasche Linderung,
bekämpft aber nicht die Ursachen. Mit Verspannungen signalisiert der Körper,
dass er überlastet ist. Hören Sie auf diese Warnungen und schonen Sie sich. Ein
maßvolles Bewegungstraining ist aber durchaus förderlich und erlaubt, sofern Sie
sich fit genug fühlen und die Mobilität nicht eingeschränkt ist.
Wohltuend
sind auch sanfte Massagen oder Wärmebehandlungen. Beides fördert die
Durchblutung und sorgt für eine Normalisierung des Stoffwechsels in den
schmerzenden Muskelpartien. Entspannen Sie sich zum Beispiel bei einem warmen
Vollbad. Badezusätze mit ätherischen Ölen können den wohltuenden Effekt noch
verstärken. Oder legen Sie sich ein warmes Kirschkernkissen auf die schmerzende
Region. Die gleiche lindernde Wirkung besitzt eine Wärmflasche, ein Heizkissen
oder ein Infrarotstrahler. Wahlweise helfen auch Wärmepflaster oder
durchblutungsfördernde Salben aus der Apotheke.
Sollten Sie nichts von dem zu
Hause haben, gibt es noch einen Trick: eine „heiße Rolle“. Dafür brauchen Sie
nur ein Handtuch, das Sie ein Mal der Länge nach falten und zu einem Zylinder
zusammenrollen. In dessen Mitte gießen Sie dann heißes Wasser und drücken die
durchfeuchtete Rolle anschließend leicht auf die schmerzenden Muskeln. Kühlt die
äußere Stoffschicht ab, können Sie das Handtuch einfach ein wenig nach innen hin
abrollen.
Zeigen solche einfachen Maßnahmen tatsächlich überhaupt keine
Wirkung und werden die Verspannungen selbst nach einer Woche nicht besser, ist
allerdings ärztliche Hilfe notwendig. Mit manuellen Therapien wie Chiropraktik
oder Osteopathie lassen sich auch hartnäckige Verspannungen lösen. Doch so weit
müssen Sie es ja gar nicht erst kommen lassen.
So schützen Sie sich
vor Verspannungen:
Quelle: Nordic Walker 3/2006, Michaela Roemkens
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Aktualisiert am 07.01.2010