Immer in Vorlage
Wer seine Nordic Walking-Ausbildung bei der Nordic Walking
Organisation (NWO) macht, ist stets mit leicht nach vorn geneigtem Oberkörper
unterwegs und streckt Arme und Beine nie ganz durch. Doch es gibt noch weitere
typische Merkmale dieser Technik.
Sie sind mit Ihren Stöcken öfter in
Österreich unterwegs? Dann ist Ihnen vielleicht schon einmal aufgefallen, dass
dort viele Nordic Walker ganz anders laufen als beispielsweise die ALFA-Walker
des DNV. In Österreich sind viele Nordic Walker mit einer leichten Vorlage des
Oberkörpers auf Tour. Genau das ist typisch für alle, die ihre NW-Ausbildung bei
der NWO absolviert haben. Doch die Neigung des Rumpfes ist nicht das einzige
typische Merkmal der NWO-Technik. Die anderen springen nur nicht sofort ins
Auge. Zu den wichtigsten gehören:
- Einteilung des Bewegungsablaufes in vier Phasen
- Armführung beim Stockeinsatz in einem Winkel von zirka 160
Grad
Verzicht auf komplette Streckung der Beine und Arme
- Intensive Beinarbeit mit Abrollen des Fußes von der Ferse bis zum Ballen
- Progressiver Druckaufbau auf den Stock in der Druckphase
- lockeres Umfassen des Stockes beim Nach-vorn-Führen
- die Armbewegung kommt aus der Schulter, nicht aus dem Ellbogen
Die
vier Phasen des Bewegungsablaufes beim Nordic Walking gliedern sich in:
Stockeinsatz plus Druckphase, Zugphase, Schubphase, Schwungphase. Die
verschiedenen technischen Merkmale kommen in den einzelnen Phasen zum
Tragen
Stockeinsatz und Druckphase
Der Stock wird in einem
Winkel von etwa 80 Grad auf dem Boden aufgesetzt. Bei diesem Winkel lässt
sich eine ideale Hebelwirkung erzielen. Wäre der Winkel steiler, müsste in
der Zugphase ein größerer Widerstand überwunden werden, was nicht wünschenswert
ist. Der Stockeinsatz erfolgt unter dem Körperschwerpunkt, in der Mitte zwischen
dem vorderen und dem hinteren Bein. Die Stockspitze ist dabei nach hinten
gerichtet, der Griff befindet sich immer weiter vorn als die Spitze. Der
Oberkörper ist leicht nach vorn geneigt, da sich aus dieser Position heraus am
besten Druck auf den Stock aufbauen lässt. Der Arm ist nicht ganz
durchgestreckt, sondern in einem Winkel von zirka 160 Grad gebeugt. So entsteht
eine Spannung in den Oberarmmuskeln, welche bei einer vollkommenen Streckung
entfällt. Durch diese Muskelvorspannung wird verhindert, dass sich die
Aufprallkräfte, die beim Aufsetzen des Stockes auf den Boden entstehen,
ungemindert bis zum Ellbogen fortsetzen und das Gelenk belasten. Aus demselben
Grund ist auch das Bein beim Auftritt der Ferse nie ganz durchgestreckt. Die
Vorspannung in der vorderen und hinteren Oberschenkelmuskulatur schützt das
Kniegelenk. Wichtig: Die Ferse wird beim Aufsetzen nicht zu stark hochgezogen,
da ein flacherer Winkel einen sanfteren Bodenkontakt
erlaubt.
Progressiver Druckaufbau
Nun beginnt die Druckphase.
Der Arm übt Druck auf den Stock aus. Allerdings geschieht der Druckaufbau
progressiv. Das bedeutet, es wird nicht sofort 100 Prozent Kraft auf den Pole
gegeben, sondern zunächst nur etwa 80 Prozent. Die Finger umschließen den
Griff.
Die Zugphase
Der Arm wird jetzt nach hinten gezogen,
wobei langsam die maximale Spannung aufgebaut und voller Druck auf den Stick
gegeben wird. Die gesamte Bewegung kommt aus der Schulter, nicht aus dem
Ellbogen. Der hintere Fuß drückt sich langsam vom Boden weg, der vordere rollt
von der Außenkante der Ferse über die Außenkante des Mittelfußes bis zum
Ballen ab. Die Fußarbeit wird bewusst und sehr intensiv ausgeführt. Das
Körpergewicht verlagert sich während des Abrollvorgangs auf den vorderen Fuß.
Das hintere Bein wird nach vorn geführt, der Körper schiebt sich kräftig am
Stock vorbei nach vorn. Wenn sich der Arm etwa auf Höhe der Hüfte befindet, ist
die Zugphase abgeschlossen.
Die Schubphase
In der Schubphase
wird der Arm hinter den Rücken gezogen und kommt dort in die Streckung. Aber:
Der Arm behält auch jetzt noch einen leichten Winkel von zirka 160 Grad bei,
wird also nie komplett durchgedrückt. Das Bein, das von hinten kommt, wird nun
ganz nach vorn vor den Körper geführt. Auch das Knie erreicht keine extreme
Streckung, sondern bleibt leicht gebeugt. Die Finger werden nun ganz geöffnet,
es erfolgt ein aktiver Abdruck des Handgelenks aus der Schlaufe
heraus.
Die Schwungphase
Ein kleiner Impuls des Handgelenks
gibt dem Stock einen leichten Stoß, er schwingt locker wieder nach. Dabei greift
die Hand den Stock aber nicht sehr fest und umklammert ihn nicht mit allen
Fingern. Stattdessen wird er nur von Daumen und Zeigefinger geführt. Es wird ein
leichter Druck auf den Stock ausgeübt, damit er stabil bleibt und trotz der
lockeren Führung nicht zu Seite springt. Der Stick kommt vor den Körper in die
Einsatzposition und wird aufgesetzt. Damit ist der komplette Bewegungsablauf
abgeschlossen und beginnt von neuem.
Schulter- und
Beckenrotation
Während des gesamten Bewegungsablaufes ist es sehr
wichtig, dass die Schulterachse intensiv gegen die Beckenachse rotiert. Fehlt
die Rotationsbewegung der Schultern, können die Arme nicht weit genug nach vorn
geführt werden. Das verhindert einen exakten Einsatz des Stockes. Rotiert das
Becken nicht stark genug, kommen die Beine nicht so weit nach vorn, wie es für
die ideale Schrittlänge der Fall sein sollte.
Korrigieren Sie sich
selbst
Auch wer die NWO-Technik schon gut beherrscht, hat vielleicht mit
einzelnen Phasen des Gesamtablaufes hin und wieder mal Schwierigkeiten. Mit den
folgenden Übungen können Sie sich selbst korrigieren.
1. Für die
Schwungphase – Stellen Sie sich bequem hin und lassen Sie die Stöcke zuerst
gleichzeitig, dann abwechselnd von hinten nach vorn vor den Körper schwingen.
Fangen Sie sie! Nun versuchen Sie das im Gehen.
2. Für eine korrekte
Druckphase – Setzen Sie den Stock auf den Boden und versuchen Sie zuerst
einmal nur halb so viel Kraft aufzuwenden, wie Sie könnten. Versuchen Sie es
noch mal mit etwa 70, 90, schließlich 100 Prozent. So bekommen Sie ein Gefühl
für die richtige Dosierung.
3. Armpendeln – Gehen Sie zunächst
ohne die Stöcke los und lassen Sie die Arme kraftvoll mitpendeln. Danach
versuchen Sie es mit den Stöcken. So lernen Sie, die Armbewegung aus der
Schulter zu führen.
4. Für den Diagonalschritt – Um den
Diagonalschritt zu üben, stellen Sie sich hinter einen NW-Partner. Der
Vordermann fasst die Stöcke an der Spitze, Sie am Griff. Nun laufen Sie im
Gleichschritt und lassen beide die Arme pendeln. Die Übung heißt
„Lokomotive“.
5. Für die Schulter-/Beckenrotation – Stöcke über
die Schultern legen, Arme drüberhängen lassen. Nun laufen und die Schultern
dabei drehen.
6. Für intensives Abrollen – Um ein Gefühl für das
Abrollen von der Ferse über den Mittelfuß bis zum großen Zeh zu bekommen, laufen
Sie mal nur auf den Fersen, dann nur auf der Fußmitte, dann nur auf den
Ballen.
7. Für einen guten Fußabdruck – Drücken Sie im Gehen bei
jedem Schritt den Fuß fest über die Zehenspitzen ab, als wollten Sie
hüpfen.
Quelle: Nordic walker 3/2006, Andrea Martens